Meine Lieder - Doc Tressel

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Meine Lieder

Lieder


Ich war vielleicht 12 Jahre alt, als ich zum ersten Mal Lieder von Georg Kreisler hörte. Mein älterer Bruder hatte damals Tonbandaufnahmen der legendären frühen Lieder mitgebracht. So etwas hatte man noch nie gehört! „Geh' ma Tauben vergiften im Park", „Der gute alte Franz", „Zwei alte Tanten tanzen Tango" und wie sie sonst noch alle hießen – skurrile Texte mit rabenschwarzem Humor, den damals in Deutschland noch kaum jemand wagte.

Ich war sofort fasziniert von diesen frechen und zugleich tiefgründigen Liedern, die so gar nichts mit der damaligen heilen Schlagerwelt zu tun hatten. Sicher habe ich damals gar nicht alles verstanden, aber natürlich habe ich gespürt, dass die Erwachsenen schon beeindruckt waren, wenn Georg Kreisler in seinem „Bidla buh" gleich reihenweise seine Frauen umbrachte.

So fasziniert war ich von den Texten und Melodien, dass ich mich ans Klavier setzte und versuchte, sie nachzuspielen und zu singen. Das war natürlich keineswegs einfach, denn Kreisler war nicht nur ein hervorragender Sänger, sondern auch ein perfekter Pianist. Außerdem gab es keinerlei Noten – Kreisler hat nie Noten veröffentlicht. Ich musste mir also alles nach Gehör zusammenbasteln und war natürlich um Welten vom Original entfernt. Aber irgendwie brachte ich etliche Lieder so weit hin, dass ich sie zumindest im Bekanntenkreis zum Besten geben konnte.

Die positive Resonanz spornte mich an, und über die Jahre wurde nicht nur mein Klavierspiel besser, sondern auch mein Repertoire wuchs allmählich an. Mit der Zeit kamen dann noch andere österreichische Liedermacher dazu. Und schließlich lag es nahe, nicht nur fremde böse Texte zu zitieren, sondern auch selber welche zu schreiben.

Je mehr man von einer Sache versteht, desto besser kann man darüber spotten. Also habe ich in meinen Liedern erst mal meine eigene Zunft, die Mediziner, auf die Schippe genommen. Schließlich kenne ich ihre Stärken und Schwächen aus eigener Erfahrung ganz genau. Und auch das Gesundheitswesen insgesamt und die vielfältigen Blüten, die das allgemeine Streben nach Gesundheit treibt, verdienen nicht nur Lob, sondern fordern manchmal den Spott des Kabarettisten geradezu heraus. So entstand mein „Medizynisches Kabarett", mit dem ich mittlerweile in ganz Deutschland unterwegs bin.


 
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